Presseinfo

Presseinfo 1 - Projektdaten und -partner
Presseinfo 2 - Projektarbeit und -hintergrund
Presseinfo 3 - Luchsökologie

 

Presseinfo 1 - Projektdaten und -partner  

Projektträger Naturpark Bayerischer Wald e.V.
Projektlaufzeit 1996 - 2008
Projektfinanzierung

Europäische Union (INTERREG III)
Bayerisches Staatsministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucher-schutz
Naturpark Bayerischer Wald e.V.
Regierung von Niederbayern

Projektleitung Dipl.-Biol. Sybille Wölfl (seit 2006)
Projektpartner
- Bayerisches Staatsministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz
- Bayerisches Staatsministerium für Landwirtschaft und Forsten
- Landesamt für Umweltschutz
- Regierung von Niederbayern
- Regierung der Oberpfalz
- Forstdirektion Niederbayern/Oberpfalz
- Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald
- Landesjagdverband Bayern e.V.
- Bund Naturschutz in Bayern e.V.
- Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V.
- Arbeitskreis Luchs Nordbayern
- Fachhochschule Weihenstephan
- Universität Freiburg
- Nationalparkverwaltung Sumava (CZ)
- Tschechische Akademie der Wissenschaften in Brünn (CZ)
- Österreichische Naturschutzjugend Haslach (A)
- KORA (Koordinierte Raubtierforschung) (CH)

Mehr zum Luchs und zum Luchsprojekt unter www.luchsprojekt.de


 

Presseinfo 2 - Projektarbeit und -hintergrund  

Seit mehreren Jahren hat sich der Luchs in den Hochlagen des Bayerischen Waldes etabliert und breitet sich nun mehr und mehr auch in Richtung Oberpfälzer Wald und Donau aus. Derzeit wird der Bestand zwischen Passau und Bayreuth auf 20 bis 30 erwachsene Tiere geschätzt. Vor allem außerhalb der Staatswaldbereiche sorgt die große Katze für Aufregung, denn ihre Rückkehr wird nicht von jedermann begrüßt.

Über ein Jahrhundert nicht mehr in Bayerns Wäldern zuhause, ist der Luchs heutzutage für viele ein unbeschriebenes Blatt. Auf der einen Seite werden deshalb die Schauermärchen aus alten Überlieferungen von der blutrünstigen und heimtückischen Bestie nur zu gerne geglaubt. Der Luchs wird verteufelt und als Sündenbock für die derzeit verzwickte Wald-Wild-Situation abgestempelt.

Auf der anderen Seite stilisieren viele Menschen aus dieser Unwissenheit heraus den Luchs hoch zu einem Gütezeiger für eine noch intakte Natur oder gar zum Retter des Waldes. Sie sehen in der Rückkehr des Luchses eine Art Wiedergutmachung an der Natur und erhoffen sich eine Lösung der Schalenwildproblematik.

Extremmeinungen also auf beiden Seiten, nach dem Motto "Nur das glauben, was man glauben will". Ein erfolgversprechender, interessensübergreifender Umgang mit dieser Tierart kann aber nur auf einem fundierten Wissen über ihre Ökologie und Lebensraumansprüche aufbauen.

Das Luchsprojekt des Naturparks Bayerischer Wald e.V. hakt gerade hier mit seinen vier Projektzielen ein. Es will ...
  1. den tatsächlichen Luchsbestand möglichst genau erfassen und eventuelle Populationstrends ermitteln;
  2. die Menschen vor Ort sachlich und fachlich fundiert informieren;
  3. die Akzeptanz und Toleranz gegenüber dieser Tierart auf der Grundlage von Fakten erhöhen;
  4. mit allen beteiligten Interessensgruppen ein akzeptiertes und langfristiges Miteinander von Mensch und Luchs erreichen.

Dabei leiten folgende Gedanken die tägliche Arbeit:

  • Schutzgebiete reichen in Mitteleuropa als Lebensgrundlage für den Luchs nicht aus. Wegen der hohen Raumansprüche des Luchses sind Großschutzgebiete allein für ein dauerhaftes Überleben einer Luchspopulation zu klein - der Luchs muss auch in der Kulturlandschaft leben dürfen.
  • Der Luchs ist kein Indikator für unberührte Wildnis. Das Vorkommen des Luchses in einer Region zeigt keine intakten Ökosysteme oder gar Wildnis an. Er kann vielmehr auch in unserer Kulturlandschaft gut überleben.
  • Der Luchs ist ein Indikator für Akzeptanz und Toleranz in unserer Gesellschaft. Eine ausreichende Akzeptanz und Toleranz des Menschen gegenüber großen Beutegreifern wie dem Luchs ist die Grundvoraussetzung für das Überleben der Art in Bayern und in Mitteleuropa.

Im Vergleich zu den Bedingungen während seiner Ausrottung vor gut 150 Jahren hat sich die Situation inzwischen zu seinen Gunsten gewandelt: Die Schaf- und Ziegenhaltung hat stark nachgelassen, die Tiere werden praktisch nicht mehr in Waldweide gehalten. Die Waldfläche Bayerns nimmt aufgrund der fortschreitenden Extensivierung der Landwirtschaft zu.

Die Einstellung gegenüber den großen Beutegreifern hat sich - ausgehend von der städtischen Bevölkerung - verändert: weg von dem Konkurrenzdenken hin zu einer Sicht der Fleischfresser als notwendiger Bestandteil im ökologischen Gesamtgefüge.

Jedoch sind einige Landnutzer nach wie vor sehr skeptisch. Der Luchs wird teilweise als Konkurrent angesehen, der die durch die forstlich geprägte Devise "Wald vor Wild" vielerorts schon reduzierten Rehwildbestände weiter dezimiert.

Eine Entschädigungsregelung bezüglich der nachweislich vom Luchs erbeuteten Nutztiere existiert seit Anfang 1998. Pro Jahr werden rund 550 € für Luchsübergriffe auf Schafe und Wild in landwirtschaflticher Gehegehaltung ausgezahlt.

Auch wirkt im Bayerischen Wald die jüngere Geschichte als große Altlast nach: das nicht genehmigte Aussetzen von Luchsen Anfang der 70er Jahre, ohne Einbezug der Bevölkerung vor Ort, hat tiefes Mißtrauen gegenüber dem Arten- und Naturschutz entstehen lassen.

Derzeitige Problemfelder lassen sich vor allem auf den zwischenmenschlichen Bereich reduzieren: Unsachlichkeit sowohl auf Luchsbefürworter- als auch auf Luchsgegnerseite lassen Fronten entstehen, die meist emotional begründet und deshalb nur schwer aufzuweichen sind. Oft muß der Luchs als willkommener Sündenbock für tiefe Frustration herhalten, die sich auf Kommunikations-schwierigkeiten und Beratungsresistenz begründet.

Dringend notwendig ist eine Versachlichung der Diskussion. Nur so lässt sich wieder ein wechselseitiges Vertrauen aufbauen. Weder eine Verteufelung noch eine Verherrlichung bringen den Luchs weiter. Auf einer sachlichen und fachlich fundierten Basis kann aber ein ehrlicher, interessensübergreifender und langfristiger Umgang mit dem Luchs möglich sein. Genau hier setzt das Luchsprojekt des Naturparks Bayerischer Wald e.V. an: detaillierte Feldforschung gepaart mit transparenter Öffentlichkeitsarbeit schafft die Grundlage für ein nachhaltig mögliches Miteinander der Ansprüche von Mensch und Luchs in Bayern.

Denn dem Luchs fehlt es in Bayern nicht an Lebensraum, er braucht vielmehr Akzeptanz, Toleranz und Offenheit von uns Menschen. Dies erreichen wir aber nur, wenn wir es schaffen, die Gräben innerhalb und zwischen den beteiligten Interessensgruppen zu schließen. Der Luchs also als einmalige Chance - für uns Menschen.

Mehr zum Luchs und zum Luchsprojekt unter www.luchsprojekt.de

 

Presseinfo 3 - Luchsökologie  

Der Luchs ist etwa schäferhundgroß und wiegt um die 20 Kilogramm. Erkennungsmerkmale sind die oft ausgeprägte rotbraune Fellzeichnung mit dunkler Fleckung, der schwarz abgesetzte Stummelschwanz und die Haarbüschel auf den Ohren.

Luchse sind Einzelgänger, ein erwachsenes Tier braucht im Durchschnitt ein rund 100 Quadratkilometer großes Revier. Dabei haben die Gebiete der Männchen eine Flächenausdehnung bis zu 400 km², in denen dann die Reviere eines oder mehrerer Weibchen miteingeschlossen sind.

Die Paarungszeit liegt im Spätwinter, die durchschnittlich zwei Jungen werden Mitte Mai bis Mitte Juni geboren. Die Jungtiere bleiben etwa 10 Monate bei der Mutter, müssen dann aber das angestammte Wohngebiet verlassen und sich ihre eigenen Reviere suchen. Die Jungensterblichkeit ist sehr hoch - von zehn Jungtieren überleben nur ein bis zwei die Zeit bis zur Selbständigkeit.

Der Luchs ernährt sich bei uns in Mitteleuropa hauptsächlich von rehgroßen Huftieren, also von Reh, Gämse und Mufflon. Als Pirsch- und Lauerjäger überrascht er seine Beute und springt sie aus kurzer Entfernung an, hetzt sie also nicht wie Hund und Wolf. Als weitere mögliche Beutetiere gelten Rotwild, Hase, Fuchs, Wildschwein, Marder, Katzen, Kleinnager und Waldhühner.

Der Luchs ist an deckungsreichen Lebensraum gebunden. Nur dort kann er sich nahe genug an seine Beute anschleichen und wird auch von uns Menschen weniger wahrgenommen. Er nutzt nicht nur große geschlossene Waldungen, sondern auch kleinstrukturierte Wald-Feld-Landschaften mit einer meist hohen Rehdichte. Die Chancen des Luchses in den Bayerischen Wäldern stehen - bezüglich des Lebensraumes - durchaus gut.

Mehr zum Luchs und zum Luchsprojekt unter www.luchsprojekt.de

Das Luchsprojekt...
... ist ein
Artenschutzprojekt des Naturparks Bayerischer Wald e.V.
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